Uh, schon wieder drei Monate rum. Die Zeit fliegt dahin, der Sommer ist fast vorbei und ich frage mich, wo die Wochen geblieben sind. Wenn ich in meinen Kalender gucke, steht da „Bibliothek“ und „Examensarbeit.“ Da sind die letzten acht Wochen hin verschwunden, aber natürlich nicht ohne Bücher!
Da wären im privaten Bereich:
Gelesen (und was ich erinnere)
Melanie Joy – Warum wir Hunde lieben…
Max Brooks – Zombie Survival Guide
Cassandra Clare – City of Ashes
Nina Paua – LG 😉
Robin Jarvis – Dancing Jax. Auftakt
Joelle Charbonneau – Die Auslese

Zeitverschwendung:
Klaus-Peter Wolf – Ostfriesenangst
Antje Blinda/Stephan Orth – Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt
Oliver Kuhn/Alexander Fröhlich – iDoof, youDoof, wiiDoof
(letztere waren Gott sei Dank Fundsachen nach einem Flohmarkt und haben mich keinen Cent gekostet. Beide eigenen sich eher als kurzweile Klolektüre, wobei das Klopapier das Niveau von iDoof… locker toppt!)

Auf dem “Derzeit lese ich…”-Stapel liegen:
David Graeber – Direkte Aktion
Annie Leonard – The Story of Stuff
Cassandra Clare – City of Ashes
Cassandra Clare – City of Glass

Für die Examensarbeit musste ich natürlich auch Texte, Lexikonartikel, Einträge aus wissenschaftlichen Wörterbüchern und was weiß ich nicht noch alles lesen. Insgesamt sind dabei um die 800 Seiten rausgekommen, vielleicht etwas mehr. Zwei Bücher sind mir da besonders in Auge gefallen, die ich beide größtenteils gelesen gelesen habe:
Peter Riede – Im Spiegel der Tiere
Bernd Janowski – Gefährten und Feinde des Menschen

Ich war also nicht untätig, mir fehlte nur einfach die Zeit, mich tatsächlich um meinen Blog zu kümmern. Ich habe jetzt zwar auch wieder eine ganze Menge Projekte am Laufen, aber ich hoffe, dass ich endlich eine Routine finde, die den Blog mit integriert und nicht nur stoßweise auf meiner Liste auftauchen lässt.

Es ist schon komisch. Ich habe das Gefühl, ständig zu lesen, aber wenn ich mir meine Leseliste für dieses Jahr angucke, sieht das noch recht dürftig aus.
Der Eindruck täuscht – hoffe ich. Ich lese tatsächlich viel, aber es sind oft Aufsätze und Essays für die Uni, in Sachbüchern oft nur das eine oder andere Kapitel, ich lese viel mehr Internetartikel zu den verschiedensten Themen, manche Bücher breche ich ab oder pausiere…kein Wunder, dass meine Liste der “fertigen” Bücher so kurz ausfällt.

Auch mein Blogbaby fristet oft ein stiefmütterlich behandeltes Dasein, dabei habe ich einiges zu erzählen. Von weiteren Leselisten über meinen Lieblingsdealer bis hin zu Neuanschaffungen, gelesenen Büchern, Aufregern, die kleinen Dinge des Bücheralltags, und so viel mehr. Aber was tun, wenn einem die Zeit fehlt? Dass ich jetzt noch ein Bücherforum aufgetan habe, in dem ich jetzt auch einige Zeit verbringe, hilft der Lösung des Problems auch nicht sonderlich weiter…
Aber gut. Da der größte Stressfaktor mit der Examensarbeit jetzt durch ist, kann ich mich hoffentlich wieder auf meine bibliophile Sucht konzentrieren.

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Ilja Tronjanow/Anja Bohnhof – Stadt der Bücher

…ein Labyrinth aus bedrucktem Papier; von den Bürgersteigen zu den Durchgängen, von Türen über Treppen bis hinauf zu vollgestopften Dachgeschossen stapeln sich Bücher zu Fassagen, Ecken und Erkern.

“…ein Labyrinth aus bedrucktem Papier; von den Bürgersteigen zu den Durchgängen, von Türen über Treppen bis hinauf zu vollgestopften Dachgeschossen stapeln sich Bücher zu Fassagen, Ecken und Erkern.”

Ich liebe Bücher, ich liebe Indien. Zu beiden verbinde ich eine Sehnsucht, die ich nur schwer stillen kann, vor allem zu letzterem. Als ich damals über die Ankündigung von Stadt der Bücher gestolpert bin war für mich gleich klar: Ich muss dieses Buch haben. Es zog sich aber wie immer hin, zu teuer, andere Bücher sind noch spannender, usw. Irgendwann kam ich auf die glorreiche Idee, den Katalog meiner Bücherhalle zu befragen, und siehe da, es war vorhanden. Als ich es endlich aus dem Regal zog, war ich etwas enttäuscht. Ich hatte einen großen Bildband erwartet, aber ich hielt ein 18x14cm kleines, 127 Seiten dünnes Büchlein in der Hand. Auf der anderen Seite heißt es ja auch „Don’t judge a book by ist cover“, und ich fing an zu schmökern.

Auf der rechten Seite ist jeweils ein Foto eines Buchstandes/Buchkiosks abgedruckt, auf der linken Seite steht der Text, oft nicht länger als vier, fünf, sechs Zeilen.
Trojanow und Bohnhof stellen das Universitätsviertel in Kalkutta vor, das nur aus Büchern zu bestehen scheint, und für die kulturelle Entwicklung der Stadt eine wichtige Rolle gespielt hat. Es werden Verleger und Buchhändler vorgestellt, die Eigenheiten des Viertels und anhand der Fotos soll der Eindruck der Buchfülle wiedergegeben werden.

Ich kann gar nicht sagen, was ich erwartet hatte von diesem Buch. Vermutlich ein größeres Format, aber auch…mehr Leben auf den Bildern. Die Buchläden sind allesamt verwaist, mit Ausnahme der doppelseitigen Bilder, auf denen man auch die Käufer sieht. Ich hätte mir mehr solcher belebter Bilder gewünscht, um einen Eindruck von der im Text beschriebenen Geschäftigkeit zu bekommen. Man hätte auch Fotos der vorgestellten Personen drucken können, Bücherfreunde beim Stöbern…das alltägliche Buchgeschäft eben. So bleibt dieses Viertel, das für mich klingt wie der Himmel auf Erden, und das ich trotz allem unbedingt live sehen will, recht eindimensional. Schade, da hätte ein Autor wie Ilja Trojanow durchaus mehr aus dem Thema machen können.

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George R. R. Martin – A Clash of Kings

20130612_203629_Anne_Local_Rustic1. Anmerkung: Spoiler!
2. Anmerkung: Ich lese die Bücher auf Englisch, ich benutze daher z.T. die englischen Begriffe, da ich nicht weiß, wie sie auf Deutsch heißen.

Es hat über ein Jahr gedauert, bis ich mich an den zweiten Teil der A Song of Ice and Fire Serie traute. Das lag weniger daran, dass ich die Story nicht mag, sondern daran, dass die Bücher alle um die 1000 Seiten stark sind und Martin ein anspruchsvolles Englisch schreibt. Mit anderen Worten: ich brauche ewig, um so ein Buch durchzulesen. In der Regel hasse ich es, länger als ein paar Tage mit dem gleichen Buch beschäftigt zu sein – Ausnahmen bestätigen die Regel – und da ich noch soviele andere Bücher auf dem Stapel und in verschiedenen Listen habe, schob ich A Clash of Kings ewig vor mir her. Dann habe ich mit meinem Freund aber die erste Staffel der TV Serie geguckt und wollte unbedingt die zweite sehen – aber nicht, ohne vorher die Bücher gelesen zu haben. Das muss sein, Buch vor Film ist Grundsatz, auch wenn es nicht immer klappt.

Jedenfalls habe ich mir Mitte/Ende Mai A Clash of Kings geschnappt und fiel wieder in die Welt von Westeros, jenem Kontinent, auf dem es neben Direwolves auch sowas wie Eiszombies gibt, die sich jüngst aus ihren kalten Gräbern zu erheben scheinen. Auf eben diesem Kontinent tobt ein Krieg sondergleichen zwischen verschiedenen Königen. Nach dem Tod bzw. der Ermordung Robert Baratheons erheben mehrere Männer den Anspruch auf den Thron.
Zunächst sein Sohn Joffrey, der rechtmäßiger Erbe wäre und für die Außenwelt auch ist, wäre er nicht das Inzestkind seiner Mutter Königen Cersei und ihres Zwillingsbruders Jaime.
Um dieses Geheimnis wissen einige Außenstehende, und so erhebt Stannis Baratheon, der ältere von Roberts zwei übrigen Brüdern, den Anspruch auf den Thron. Der Anspruch ist dadurch gerechtfertigt, dass Joffrey nicht der Sohn von Robert ist, und Stannis älter ist als sein Bruder Renly.
Dieser wiederum erhebt Anspruch auf den Thron mit dem Argument, dass Robert sich die Krone auch einfach genommen bzw. erkämpft hätte, und warum sollte das gleiche nicht auch für ihn gelten? Mal abgesehen davon, dass er sowieso viel netter und beliebter ist, als sein todernster, verbitterter Bruder Stannis.
Dann ist da noch Robb Stark, Neds Sohn, der für die Enthauptung seines Vaters und die Geiselnahme seiner Schwestern in den Krieg zieht. Eigentlich wollte er nur Vergeltung, aber schon am Ende von A Game of Thrones wird er von seinen Gefolgsleuten zum King in the North ausgerufen, und er nimmt diese Rolle an. Er kämpft dafür, dass der Norden wieder ein unabhängiges Königreich wird, wie es vor Jahrhunderten schon der Fall war und als seine Vorfahren schon Könige waren.
Zu guter Letzt – er ist auch einfach das Letzte – haben wir da Theon Greyjoy. Diese kleine, rückgratlose, über die Maßen von sich selbst überzeugte Kakerlake möchte auch mitspielen. Er ist eigentlich eine Art Pfand, das Ned Stark von Theons Vater gefordert hatte, damit dieser keine Rebellion mehr anzetteln würde. Theon überzeugt Robb davon, dass sie zum Kampf gegen die Lannisters Schiffe brauchen, von denen die Greyjoys jede Menge hätten. Dafür müsste sein Vater nur zum King of the Isles ernannt werden, und alles ist tutti. Dummerweise ist der Vater, Balon Greyjoy, ein ähnliches Aas wie sein Sohn, und heckt seinen eigenen Plan aus: Er will den Norden angreifen, solange der nicht verteidigt werden kann. Theon wiederrum, der sich wieder und wieder übergangen fühlt, nicht zuletzt von seiner Schwester Asha, die seinen Platz als Thronerbin eingenommen und das Vertrauen ihres Vaters hat, brüht sein eigenes Süppchen. Nachdem er zum Plünderer degradiert wurde, überzeugt er einige seiner Männer, Winterfell anzugreifen. Sie schleichen sich Nachts ein, nehmen Bran und Rickon als Geiseln und erpressen Bran, der aktuell der Stark in Winterfell ist, Winterfell zu übergeben, wenn er nicht zusehen will, wie seine Leute abgeschlachtet werden. Ich traute Theon schon im ersten Band nicht über den Weg, inzwischen ist er in meinen Augen ein ekelerregendes Subjekt. Er hat bei mir einen ähnlichen Status wie Joffrey, allerdings ist Joffrey einfach sadistisch und brutal, eine Höllenbrut und ich wünsche mir nach wie vor, dass er leidet und am besten einen qualvollen Tod stirbt. Theon allerdings ist ein hinterhältiges Aas, dem nichts heilig ist. Er war zwar Unterpfand in Winterfell, wurde aber fast ebenbürtig mit den Starkkindern behandelt, auch wenn er wohl das ein oder andere Mal zu spüren bekommen hat, dass er nicht freiwillig da ist. Eigentlich hatte man das Gefühl, dass er zumindest zu Robb freundschaftliche oder brüderliche Gefühle hegt, was ihn aber nicht davon abhält, ihm in den Rücken zu fallen, die Starks zu verraten und die Leute, die ihn mit groß gezogen haben, einen nach den anderen abzuschlachten. Er ist ein weinerlicher Bengel, der komme was da wolle Prinz, besser noch König sein will, und verfolgt dieses Ziel rücksichtslos. Er ist kurz Prince of Winterfell, verliert diese Krone aber ebenso schnell wie er sie bekommen hat. Das zum Thema Theon Greyjoy. Mögest du leiden.

Leiden soll auch Joffrey, der Sansa, seine Verlobte, nach wie vor misshandeln lässt. Das macht er natürlich nicht selbst, da seine Mutter ihm beigebracht hat, dass er seine Königin nicht zu schlagen hat. Leider hat sie versäumt ihm beizubringen, dass mein seine Königin auch nicht schlagen, misshandeln oder anderweitig demütigen lässt. So lässt er Sansa einmal vor versammelter Mannschaft das Kleid zerreißen, weil ihr Bruder Robb Sieg um Sieg einfährt. Geschützt wird sie z.T. von Tyrion Lannister, der seinen Vater als Hand of the King vertritt. Er scheint der einzige Lannister mit mehr Grips als ein Löwe zu sein, und hat zudem eine menschliche Ader. Interessant in dieser Konstellation ist auch die Beziehung von Sansa und the Hound, dem tief loyalem Bodyguard Joffreys. Trotz seines grobschlächtigen Aussehens und seiner brutalen Art im Kampf ist er Sansa anscheinend wohlgesonnen. Er macht sich zwar über ihre naive Art lustig, aber er weigert sich als einziger gegenüber Joffrey, sie zu misshandeln und unterstützt sie auch mal in ihrer Argumentation gegen Joffrey und bewahrt sie so vor einem erneuten sadistischen Ausbruch ihres Verlobten. Dieser überlebt auch den zweiten Teil der Saga unverletzt.

In der Saga gibt es ja mehrere Erzählstränge, es gibt noch die von Jon Snow bei der Nightwatch, Arya auf der Flucht nach Winterfell, und Daenerys bei den Dothraki. Daenerys fand ich im ersten Teil eine unglaublich spannende Figur, mir machte es Spaß, sie bei ihrer Entwicklung zu beobachten. In A Clash of Kings aber scheinen die Episoden nur ein Intermezzo zu sein. Ich fand sie ehrlich gesagt langweilig, aber ich tue sie einfach als Übergang zu einer hoffentlich wieder spannenderen Story in A Storm auf Swords ab. Aryas Geschichte ist zwar etwas spannender, aber auch nur, weil sie so nah an ihren Verwandten zu sein scheint, dass man es fast greifen kann. Ich hoffe jedes Mal, dass sie sich endlich jemandem zu erkennen geben und nach Hause/zu ihrem Bruder Robb kann, aber die Erfahrungen in Kingslanding haben sie misstrauisch gemacht und sie traut nicht mal den Bannermen ihres Bruders. Stattdessen zettelt sie die Befreiung der sich in Geiselhaft befindenden Nordmänner und flieht kurz darauf Richtung Riverrun, wo ihr Großvater lebt.
Jon Snow befindet sich mit seinen Brüdern der Night’s Watch jenseits der Mauer, weil sich dort ein weiterer König auf die Invasion der sieben Königreiche vorbereitet. Zudem muss herausgefunden werden, woher auf einmal die Eiszombies, The Others, kommen. Am Ende des Buches erhält Jon den Befehl, zu den Wildlingen überzulaufen, damit er am Leben bleibt und später dem Lord Commander berichten kann, was er gesehen hat.

Ich habe das Buch verschlungen. Ich habe tagelang die Uni schleifen lassen, weil ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Ich verzweifelte ob der Entwicklungen immer mehr, mehr noch als im ersten Buch, und hatte das Gefühl, dass es einfach keine Gerechtigkeit für die „Guten“ gibt. Die Widersacher der Starks fahren Sieg um Sieg ein, Winterfell fällt erst in die Hände von Theon, dann in die des nächsten Schlächters, die jüngsten Starkkinder müssen nun auch fliehen und blicken einer ungewissen Zukunft entgegen, die Lannisters bleiben größtenteils verschont bis auf den einzigen Sympathieträger, Tyrion, und die schleimigen Speichellecker wie Littlefinger reißen sich Ehren und Würden unter den Nagel. Trotzdem ein unglaublich spannendes Buch, das ich nur empfehlen kann.

Ich warte jetzt auf Gerechtigkeit oder zumindest einen Silberstreifen am Horizont – auch wenn ich schon gehört habe, dass A Storm of Swords noch grausamer wird und man sich als Stark-Fan wappnen muss.

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Patrick Rothfuss

The Wise Man's Fear

Nachdem ich The Name of the Wind beendet hatte, hatte ich das, was man als Book Hangover/Buchkater kennt: Ich konnte kein neues Buch beginnen, weil ich mit meinen Gedanken noch so im grade beendetem Buch hing. Ich wollte so dringend wissen, wie es weitergeht, dass ich quasi in die nächste Buchhandlung eingefallen bin, die Abteilung für englische Bücher stürmte und mir The Wise Man’s Fear, den zweiten Teil der Kingkiller Chronicles, unter den Nagel riss.

Ich fing natürlich noch am gleichen Tag an zu lesen und zunächst war auch alles gut. Der Stil war so eloquent wie im ersten Teil, die Figuren blieben im Fluss und ich freute mich auf das, was da kommen mochte. Ich gierte nach mehr Informationen über die Chandrian und wie es mit Kvothe und diesen Wesen weitergehen mochte. Doch während in NotW die Story noch einen roten Faden hatte und die „Seitenabenteuer“ noch irgendwie mit der Hauptstory zusammenhingen, fehlte mir in TWMF schlicht der Zusammenhang zwischen den einzelnen Abenteuern. Der Schreibstil war nach wie vor astrein, aber es wurde…langweilig. Der erste Teil des Buches ist quasi NotW in Kurzform – die ewige Geldknappheit und dieselben Einwände Kvothes, seine Freunde zu bitten, seine Beziehung zu Denna, die ewigen Sticheleien zwischen Kvothe und anderen Studenten… – und auch, als er die Universität vorübergehend verlassen muss, wird es nicht spannender. Vielleicht lag es an der Figur Kvothe, der man im ersten Teil noch zusehen konnte, wie sie wuchs und an Tiefe gewann, jetzt aber nur platt, arrogant und hohl wirkte. Vielleicht lag es an dem roten Faden, den man suchen konnte, soviel man wollte, und ihn dennoch nicht fand. Vermutlich lag es an eben jenem fehlenden Faden, dass die „Seitenabenteuer“ die Zusammenhänge missen ließen und einfach wie eine Aneinanderreihung loser, belangloser Episoden schienen. Manche davon erschienen unnötig lang oder überflüssig. Spätestens ab dem Zeitpunkt, wo Kvothe auf Felurian, einer sexbesessenem Dämonin, trifft, wird es zäh. Auf 72 Seiten erzählt Kvothe von der Zeit im Dämonenreich Fae, und im Großen und Ganzen ergießt er sich darüber, wie er als jungfräulicher, unerfahrener Jüngling die legendäre Nymphonanin quasi die Wän…sorry, die Bäume und die Wiesen rauf und runter vögelt, wie sie ihm einen Schattenumhang näht (noch langweiliger als die angedeuteten Sexszenen) und am so tief beeindruckt, dass sie ihn gehen lässt – was zuvor nur den wenigsten Männern gelungen ist, und die sind alle dem Wahnsinn anheim gefallen. Mal abgesehen davon, dass man das ganze auch etwas hätte kürzen können, erreichten Kvothes Arroganz und Überhehblichkeit nach diesem „Abenteuer“ eine ganz neue Tiefe, die sich vor allem in seinen Bemerkungen über Frauen und die dazugehörigen Bettgeschichten äußerte.

Hatte man als Leser nun diese Kapitel endlich überstanden, erwartete man nun endlich etwas mehr Spannung. Aber nee, Kvothe geht mit seinem Kumpel in dessen Heimat, um eine Kampfkunst zu lernen (die er als außenstehender Barbar eigentlich nicht lernen darf, aber Kvothe ist eben Kvothe, und alle sind von seinem Intellekt und seiner Dickköpfigkeit so beeindruckt, dass er sie doch lernen darf). Das war dann der Punkt, an dem ich aufgab. Nach nochmal 100 Seiten langweiliger Aneinanderreihungen von Kvothes Schwierigkeiten in der Welt, die zu nichts zu führen scheinen außer die Seiten zu füllen, damit der zweite Teil eine ähnliche Seitenstärke erreichte wie der erste, gab ich auf Seite 866 (von knapp 1100) schließlich auf. Ich merkte erst, wie gelangweilt ich mich durch die Seiten quälte, als ich mich permanent nach einem neuen Buch sehnte. Etwas, das mir eigentlich nicht passiert. Im Nachhinein merkt man schon, dass Rothfuss an Name of the Wind länger gesessen und immer wieder daran gefeilt hat (sagt er selbst in den Danksagungen), alles immer wieder verfeinert und überarbeitet hat. The Wise Man’s Fear kam zwar erst vier Jahre später, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass Rothfuss da anders gearbeitet hat.

Ich finde das sehr schade, denn die Story war vielversprechend. Ich werde mir den dritten Teil wohl nicht kaufen. Vielleicht leihe ich ihn mir aus der Bücherhalle aus, aber auch nur, wenn ich für die letzten 300 Seiten des zweiten Teils die Muße finde, sie zu lesen.

 

 

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Patrick Rothfuss: The Name of the Wind

IMG_3164Dieses Buch hatte ich, wie soviele andere Schätze in meinem Bücherregel auch, schon mehr als einmal in der Hand, bevor es seinen Weg in meine Tasche fand. Tatsächlich brauchte es die Katastrophe des Buchvergessens, das mich in die Arme dieser wundervollen Geschichte trieb. Ich war auf dem Weg nach Berlin, als ich mein damals aktuelles Buch fertig las – und feststellte, dass ich das andere Buch, das ich mitnehmen wollte, zu Hause liegen gelassen hatte. Die Aussichten auf einen buchlosen Tag in Berlin waren mehr als trüb, und ich ratterte im Kopf alle Buchläden runter, die ich in Berlin kannte, und die ich noch erfolgreich stürmen konnte, ohne zu spät zu meinem Termin zu kommen. To cut a long story short: ich musste ich die Hölle eine Warenkaufhauses, das aber immerhin eine Oase von englischsprachigen Büchern vorweisen konnte.

Und so fiel mir The Name of the Wind in die Hände. Über 660 Seiten stark, groß, dick, Fantasy. Genau das, wonach mir der Sinn stand. Und ich wurde nicht enttäuscht, obwohl ich mich dunkel erinnerte, dass meine eine beste Freundin zwei oder drei Mal starten musste, und ich weiß bis heute nicht, ob sie es zu Ende gelesen hat.

Ich wurde in eine wundervolle Welt entführt. Keine Zuckerwattewelt, keine Welt, in der das Leben Dank Magie leichter und angenehmer ist, und in der alle Menschen natürlich an alle existierenden magischen Wesen glauben. Diese Welt ist genauso wenig  Ponyhof wie unsere. Sie ist nicht lieb und kuschelig, sie ist brutal und kalt, warm und voll von Freundschaft, Feindschaft, Rivalitäten, Schicksalsschlägen und Hürden, an denen man verzweifeln kann.

Allerdings weiß ich nicht recht, wie ich anfangen soll. Ich habe schon drei oder vier Versionen der Rezension verworfen, weil sie dem ganzen Buch einfach nicht gerecht wird. Es geht um Kvothe, und so stellt er sich vor:

“I have stolen princesses back from sleeping barrow kings. I burned down the town of Trebon. I have spent the night with Felurian and left with both my sanity and my life. I was expelled from the University at a younger age than most people are allowed in. I tread paths by moonlight that others fear to speak of during day. I have talked to Gods, loved women, and written songs that make ministrels weep. My name is Kvothe. You may have heard of me.”

An dem Punkt, wo die Geschichte einsetzt, ist Kvothe ein bekannter…ja, was? Eine lebende Legende, von der jeder denkt, er sei tot. Ein Geschichtenschreiber spürt ihn auf, und bringt Kvothe dazu, seine Geschichte zu erzählen…

Kvothe ist der Sohn von Spielleuten, hochintelligent, begabt – und nach einem Angriff der Chandrian Vollwaise. Bis dahin hielt er die Chandrian für Protagonisten von Gruselmärchen, Kinderreimen, alten Sagen, aber nicht für real. Er flieht in eine Hafenstadt, in der er sich mehrere Jahre als Bettelkind, er ist kaum 11 Jahre alt, durchschlägt, bevor es ihn an die Universität zieht. Als einer der jüngsten Studenten aller Zeiten wird er aufgenommen und erlebt, dass Intelligenz, Mut und eine schnelle Zunge nicht immer nur zu Wohlwollen und Freunden führen. Er macht sich nicht direkt Feinde (auch wenn zwei Figuren durchaus so zu bezeichnen sind), aber nicht jeder liegt ihm und seinem Charme zu Füßen. Und jedes Semester muss er die Semestergebühr an die Uni entrichten, egal wie. Er arbeitet dafür an der Universität, spielt in Spelunken auf seiner Laute und leiht sich sogar von dubiosen Pfandleihern Geld. Nebenher versucht er, mehr über die Chandrian zu erfahren, von denen er irgendwann sogar glaubt, ein Streich seiner Psyche zu sein, um mit dem Tod seiner Eltern besser umgehen zu können. Solange, bis die Chandrian nicht weit von der Universität erneut zuschlagen.

Ich liebe dieses Buch, es ist das erste Buch aus der Sparte Fantasy seit…Monaten, das wirklich gut ist. The Night Circus liegt schon ein Vierteljahr zurück, aber das ist auch eine andere Art von Fantasy. Die letzten einigermaßen guten Fantasy-Bücher waren die „Die Gilde der schwarzen Magier“-Trilogie, und die reichen bei aller Liebe nicht an The Name of the Wind heran.

Es gibt neben A Song of Ice and Fire (dessen zweiter Teil demnächst angegriffen wird) endlich wieder eine Welt, in der ich versinken will. Die Charaktere haben Tiefgang, sind entwickelt bzw. man kann die Entwicklung nachvollziehen, ich habe keine Denkfehler in der Logik gefunden, und es ist insgesamt alles sehr vielversprechend. Kvothe ist zwar überwiegend, aber nicht immer sympathisch, und auch wenn die anderen Charaktere bisher mehr oder weniger eindeutig der guten, neutralen oder bösen Seite zuzuordnen sind, tut das der Spannung keinen Abbruch. Es gibt so viele Wendungen, Cliffhanger und Andeutungen, auf deren Auflösung man wartet, dass man gar nicht mehr aufhören will zu lesen. Und das, was Kvothe oben sagt, wird nicht mal zur Hälfte im ersten Teil abgedeckt.

Nachdem ich The Name of the  Wind durch hatte, wollte ich den zweiten Teil einer anderen Buchserie beginnen – und erfuhr zum ersten Mal bewusst, was ein Book Hangover ist. Ich hatte von diesem Begriff kurz vorher auf Smallbookthings gelesen. Er bezeichnet die Unfähigkeit, ein anderes Buch zu beginnen, weil man noch in der Welt des letzten verhaftet ist. Ich konnte einfach nicht lesen, weil ich mich immer wieder fragte, wie es Kvothe weiter erging, ob er die Chandrian findet, was dann passiert, und warum er sich so zurückgezogen und weggesperrt hat. Das Ende vom Lied war, dass ich nach der Arbeit den nächsten Buchladen ansteuerte und The Wise Man’s Fear, den zweiten Teil der King Killer Chronicle, kaufte. Und genau das lese ich grade.

Von der Tiefe der Story her fühle ich mich etwas an Game of Thrones erinnert (Tiefe, nciht Story!), auch wenn G. R. R. Martin seine Story etwas komplexer und, wenn man so will, verwirrender aufbaut. Trotzdem empfehle ich The Name of the Wind ebenso bedenkenlos und ausdrücklich wie Game of Thrones. Beides sind für mich Schwergewichte des derzeitigen Fantasy und meiner Meinung nach ein absolutes Muss.

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Paul Hoffman: Die Linke Hand Gottes

IMG_3165Cale ist die Hauptfigur in Hofmanns Die Linke Hand Gottes. Er wird im Kloster der Erlösermönche großgezogen. Es ist ein trostloser Ort, an dem Kälte, Hunger und Angst regieren. Die Erlösermönche sind gnadenlos in der Erziehung der Jungen, die sie zu Kriegern heranziehen, und dass regelmäßig eins der Kinder an Hunger, Kälte oder Verletzungen stirbt, ist nicht ungewöhnlich. Cale will schon länger weg, und nachdem er einen der höheren Mönche ermordet hat, flieht er zusammen mit seinen zwei besten Freunden. Nach einigen Hürden kommt er nach Memphis, einer florierenden, dekadenten Großstadt, und wird dort der Bodyguard der Tochter des Patriziers. Allerdings macht er sich durch seine rechthaberische Art, aber auch seine Brutalität, Gefühlskälte und Skrupellosigkeit mehr Feinde als Freunde. Außerdem sind die Erlösermönche hinter ihm her, denn sein alter Mentor Bosco denkt, Cale sei der Engel des Todes, die linke Hand Gottes, ohne den die Welt nicht zerstört und dann neu geordnet werden kann.

Das Buch liest sich im Großen und Ganzen flüssig runter, manche sprachliche Wendungen klingen etwas schräg, was aber auch an der Übersetzung liegen kann. Ich konnte es kaum aus der Hand legen, aber nachdem ich es fertiggelesen hatte, konnte ich nicht sagen, was genau ich so fesselnd fand. Es fehlt der rote Faden, verschiedene Episoden  und Abenteuer werden aneinandergereiht, von denen man manchmal nicht mal weiß, wozu sie der Geschichte dienen. Zudem erscheinen mir die Charaktere mit fast zwei Monaten Abstand (ich habe es bereits Mitte Januar durch) immer flacher. Die Beziehung zwischen Cale und Arbella Schwanenhals kommt zwar nicht überraschend, aber warum genau sie sich in ihn verliebt, bleibt nicht schlüssig. Am Ende verrät sie Cale zwar, aber werden fadenscheinige Gründe genannt, warum sie ihn sowieso loswerden wollte.

Was mich bisher am meisten an diesem Buch enttäuscht hat, ist dass es einfach keine Hinweise darauf gibt, dass Cale tatsächlich der Engel des Todes ist. So blöd das auch klingen mag, aber sowohl im Klappentext als auch im Internet wird einem suggeriert, dass er tatsächlich ein Engel ist, das Buch voller Magie und die Geschichte allgemein ins Fantasy-Genre gehört. Dahin gehört es aber einfach nicht. Es ist eine mittelalterliche Geschichte, die an die Kirchengeschichte der Katholischen Kirche und der Reformation angelehnt ist. Die eindeutigen Parallelen sind zwar nett, aber das war’s auch.

Nix Engel, nix Fantasy, nix übergutes Buch. Ich hoffe, der zweite Teil ist auch so ein Pageturner, aber mit mehr Story und tieferen Charakteren.

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Steven Schlozman: The Zombie Autopsies. Secret Notebooks from the Apocalypse

Ich meckere schon seit Tagen und Wochen rum, dass ich kaum noch Zeit zum Lesen finde, weil ich mit sovielen anderen Projekten beschäftigt bin. Mein Umzug steckt mir noch in den Knochen und das letzte Chaos muss noch beseitigt werden, ich sitze mit Hochdruck an einem Projekt für die Meeresschutzorganisation, für die ich mich engagiere, und sowas wie Privatleben muss laut sozialer Norm auch gepflegt werden.

Mein wundervolles Buchprojekt geht nur schleppend voran, tatsächlich habe ich bisher nur ein Buch davon gelesen (Die Linke Hand Gottes), aber immerhin weitere davon angefangen. Eins davon werde ich diese Woche wohl auch noch zu Ende lesen.

Nun habe ich aber grade ein anderes Buch durchgelesen, das mir beim Zeittotschlagen im nächsten Buchladen in die Hände fiel: The Zombie Autopsies. Secret Notebooks from the Apokalypse von Steven Schlozman, seines Zeichens Assistenzprofessor für Psychiatrie in Harvard. Nun muss man wissen, dass ich Zombies wirklich, wirklich gruselig finde. Ich gucke keine Zombiefilme (ich kennen nur Shaun oft he Dead), spiele keine Spiele, in denen Zombies vorkommen und meide auch sonst alles, was mit Zombies zu tun hat, weil ich mir ziemlich sicher bin, davon Albträume zu bekommen. Mein Freund findet diese…öhm…Kreaturen aber ganz witzig, also habe ich’s erstmal mitgenommen und, ich kann nicht aus meiner Haut, sofort angefangen. Und mir gefällt es in der Tat ausgesprochen gut.

Das Buch spielt 2013, zwei Drittel der Menschheit sind bereits durch das Zombie-Virus ANSD dahingerafft worden bzw. befinden sich im letzten Stadium der Krankheit, und das noch nicht infizierte, übrige Drittel der Menschheit hat sich auf Inseln in Bunkern verkrochen. Eindämmungsversuche mit nuklearen und anderen Sprengstoffen haben nichts gebracht außer der ökologischen Superkatastrophe für den Planeten, die inzwischen in Zombies verwandelten Menschen sind einfach unkaputtbar. In diesem Setting hat sich eine Gruppe Wissenschaftler bereiterklärt, Forschungen und Autopsien an Phase-IV-Zombies vorzunehmen, wohlwissend, dass sie dabei selbst infiziert und zu Zombies werden, um eine Heilungsmöglichkeit oder Impfwirkstoff zu finden. Alle vorherigen Versuche schlugen fehl.  Man erlebt die Tage des Forschungsteams aus Sicht Dr. Blums, dessen Tagebuch gefunden wurde, und der nicht nur die Ereignisse schildert, sondern auch die medizinischen Funde, Theorien und Hypothesen, medizinische Grafiken und jede Menge Hintergrundinformationen einfügt.

Das Buch ist wie ein Bericht der UNO und der WHO aufgezogen. Im Mittelpunkt steht Dr. Blums Tagebuch, das während einer weiteren Exkursion zu dem Labor gesichert wurde, und sowohl im Vorwort des Berichtes als auch im Anhang finden sich genügend Erklärungen, in welchem Zustand sich die Welt befindet. Es ist zudem so aufgezogen, dass jeder Mensch es verstehen und vielleicht etwas zu Rettung der Menschheit beitragen kann, denn die Menschheit ist dezimiert und kann sich den Luxus, nur auf Menschen mit Doktorgrad zurückzugreifen, nicht leisten.

In The Zombie Autopsies ist das Virus menschengemacht, und zusammen mit den Schilderungen Blums und den Bildern in seinem Tagebuch ist das eine mehr als gruselige Vorstellung, dass ein Mensch so etwas auf die Menschheit loslässt. Im Anhang des Berichtes finden sich aber sichergestellte Emails, die die Motive für eine solche Tat so realistisch und skrupellos-menschlich darstellen, dass man sich tatsächlich vorstellen kann, dass so etwas wirklich gezüchtet wird. Und im Zeitalter von ABC-Waffen, machthungriger Regierungen und geldgeiler Wirtschaftsunternehmen scheint das alles gar nicht mehr wie eine fiktive Horror-Story, sondern eher wie eine nicht so weit hergeholte Dystopie.

Kurz angerissen wird hier auch die Problematik der Ethik. Ab wann ist ein Mensch kein Mensch mehr und ab wann darf man an ihm Versuche betreiben, zumal am nicht betäubten Körper?

Ich kann The Zombie Autopsies nur wärmstens empfehlen. Ich für meinen Teil habe für heute Abend jedenfalls den Plan, mir zusammen mit meinem Freund, für den das Buch eigentlich gedacht war, einen Zombiefilm anzugucken. Jetzt grade machen mir Zombies Spaß.

Edit: Ich hab’s mit dem Zombiefilm wirklich versucht. Es war sogar eher eine Komödie – Zombieland – aber ich konnte es einfach nicht ertragen. Ende vom Lied war, dass wir den Film ausgemacht, ein Hörspiel gestartet haben und ich die ganze Nacht von Zombies geträumt habe. Ich finde Zombies einfach gruselig!

 

 

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